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Finanzkennzahlen

Ohne gute Zahlen zahlt niemand gut. Aber auch wenig profitable Aufzughersteller können strategische Kaufpreise erzielen. Warum die Formel „niedrige Profitabilität = niedriger Kaufpreis“ in der Aufzugbranche nicht gilt.


Kernaussagen:

  • Bei dem Einfluss der Finanzkennzahlen auf den Unternehmenswert herrschen in der Aufzugbranche eigene Regeln

  • Wiederkehrende Umsätze und eine gesunde Kundenstruktur erhöhen den Firmenwert

  • Qualität, Nachvollziehbarkeit und Transparenz des Zahlenwerkes haben maßgeblichen Einfluss auf die Kaufentscheidung eines Interessenten

 

  1. Profitabilität

Herkömmliche Methoden ermitteln den Unternehmenswert auf Basis einer Ertragskennzahl und einem branchenüblichen Multiplikator. Im Maschinenbau galt für KMU zum Beispiel stets ein Faktor im Korridor vom 6- bis 8-fachen EBIT (Ertrag vor Zinsen und Steuern) als Maßstab für den Unternehmenswert.

Hingegen wird ein Unternehmer, dessen Aufzugfirma bei einem Umsatz von 10 Mio. Euro ein EBIT von 1 Mio. EUR erwirtschaftet, einen Kaufpreis von deutlich über dem Korridor von 6 bis 8 Mio. EUR erzielen können.


Denn hierfür sind nicht nur die Ertragskennzahlen relevant, sondern auch das Ergebnis der Synergieberechnungen eines Käufers. Und hierin fließen Faktoren wie Fahrtroutenoptimierungen, künftige Einkaufskonditionen, das Potenzial bei MOD und REP, die Struktur der Wartungsverträge, die Anzahl der Neuanlagen und deren Konvertierung in Wartungsverträge, die Mitarbeiterstruktur, der Wert der Marke und einige weitere Elemente mit ein.


In der Aufzugbranche gilt daher, dass auch ein Unternehmen mit geringer Profitabilität einen strategischen Kaufpreis erzielen kann, wenn der Verkäufer seine Assets gut kennt und sich dementsprechend in den Verhandlungen positioniert.


  1. Umsatzstruktur

Aufzugfirmen haben erfahrungsgemäß eine gesunde Kundenstruktur ohne Abhängigkeit von einzelnen Kunden oder Branchen bzw. öffentlichen Auftraggebern, d.h. also ohne nennenswerte „Klumpenrisiken“. Als Richtwerte für eine gesunde Verteilung gelten:  

≤  25% des Umsatzes mit den Top 10 Kunden

≤  15% des Umsatzes mit den Top 5 Kunden

≤  5% Umsatzes mit einem einzelnen Kunden


Zudem sollte keine starke Abhängigkeit vom Neuanlagen- oder Modernisierungsgeschäft zu Lasten der Bereiche Service und Reparatur bestehen. Hier geht es, insbesondere auch nach den Corona-Erfahrungen, um die Bewertung der Krisenfestigkeit. Wiederkehrende und damit sichere Vertragsumsätze werden höher bewertet als das Einmalgeschäft.


  1. Jahresabschlüsse

Je aktueller der vorgelegte Jahresabschluss, desto besser. Käufer möchten die letzten drei Jahresabschlüsse einsehen. Und legen Wert darauf, dass die Bilanzen und Steuererklärungen aller abgeschlossenen Jahre nicht nur vorliegen, sondern auch festgestellt bzw. eingereicht wurden.


Besteht ein Unternehmen aus mehreren Gesellschaften, sollten Dokumentationen über die Verflechtungen, ein konsolidierter Abschluss – bestenfalls ein testierter Konzernabschluss – mindestens für das der Transaktion vorangegangene Jahr vorgelegt werden. Etwaige Verrechnungspreise sind stets auf Basis eines Drittvergleichs („at arms length“) ermittelt worden.  


  1. Halbfertige Arbeiten

Die Bewertung der halbfertigen Arbeiten bringt erfahrungsgemäß intensive Diskussionen zwischen Käufer und Verkäufer mit sich. Aber letztlich spiegelt sie auch die Qualität und Sorgfalt wider, mit der die Finanzbuchhaltung geführt wird.


Ein funktionierendes Rechnungswesen ist in der Lage, die halbfertigen Arbeiten auf Auftragsebene vorzulegen und detailliert nachzuweisen, dass das Prinzip der Stetigkeit – also Bewertungskontinuität – beachtet wurde. 


  1. Transparenz

Was letztlich wichtig ist: Transaktionen basieren auf Vertrauen. Und auf Verschwiegenheitsvereinbarungen. Ein Verkäufer, der auf diese Eckpfeiler nicht vertraut und in Folge dessen keine Transparenz gewährt, schürt Misstrauen. 

Transparenz bezieht sich auf das gesamte Zahlenwerk: Bilanz, GuV und Kostenrechnung. Letztlich sagt das Rechnungswesen viel über die Qualität eines Unternehmens aus. Im Vordergrund stehen daher nicht nur die Zahlen, sondern auch deren einfache Herleitung oder transparente Überleitung sowie die zeitnahe Reaktion auf entsprechende Anfragen im Transaktionsprozess.

 
 

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